Fristlose Kündigung wegen Beleidigung des Arbeitsgebers auf Facebook rechtens

Wird ein Arbeitnehmer auf sozialen Netzwerken gegenüber dem eigenen Arbeitgeber ausfällig und beleidigt diesen sogar, kann dies ein ausreichender Grund für eine fristlose Kündigung sein. Dies stellte das Landesarbeitsgericht Hamm in einem aktuellen Urteil klar.

Der Kläger war Auszubildender in der Internetdienstleistungsagentur der Beklagten. Auf seinem Facebook-Profil betitelte der Kläger seinen Arbeitgeber wortwörtlich als „Menschenschinder“ und „Ausbeuter“. Ferner teilte er seinen Freunden mit, dass er selbst für den Arbeitgeber ein „Leibeigener“ sei und „dämliche Schleiße für Mindestlohn – 20 %“ bei seiner Arbeitsstelle erledigen müsse.

Diese Äußerungen waren bei dem sozialen Netzwerk den Freunden des Klägers zugänglich gemacht. Jedoch erfuhr auch der Arbeitgeber des Klägers davon und kündigte aufgrund dessen das Ausbildungsverhältnis fristlos. Gegen diese Kündigung reichte der Kläger wiederum Kündigungsschutzklage ein und begründete diese damit, dass er mit den diversen Einträgen auf seinem Facebook-Profil den Arbeitgeber gar nicht habe beleidigen wollen. Er habe vielmehr übertrieben und habe auch nicht damit gerechnet, dass der Arbeitgeber sein Facebook-Profil überhaupt anschauen würde. Keinesfalls sollten die Äußerungen jedoch die Realität darstellen, sondern waren eher lustig gemeint gewesen.

In der ersten Instanz stimmte das Gericht dem Kläger zunächst zu und führte aus, dass die seitens des Klägers getätigten Aussagen zwar durchaus eine Beleidigung darstellen, allerdings sei die Kündigung ein übertriebenes Mittel gewesen, da aus dem Facebook-Profil des Klägers dessen unreife Persönlichkeit und die mangelnde Ernsthaftigkeit der Äußerungen durchaus erkennbar waren. Dementsprechend hätte der Arbeitgeber anstelle des Ausspruchs der Kündigung ein klärendes Gespräch führen können.

Der Arbeitgeber stimmte der Kritik des Gerichts nicht zu und ging in Berufung. Das Landesarbeitsgericht Hamm als II. Instanz urteilte nunmehr genau gegensätzlich und bekräftigte dabei den Arbeitgeber in seiner Meinung. Es stellte deutlich heraus, dass der Auszubildende mit seinem immerhin 27 Jahren durchaus genug Alter und Lebenserfahrung habe, um die Folgen seiner Äußerungen einschätzen zu können. Die Äußerung auf dem Profil seines sozialen Netzwerkes seien mehr als nur eine reine Meinungsäußerung und berechtigten den Arbeitgeber daher zur fristlosen Kündigung.

Quelle: Urteil des Landesarbeitsgericht Hamm vom 10.10.2012, Az. 3 Sa 644/12

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