Fake-Abmahnung per E-Mail-Anhang durch angeblich Dr. Kroner & Kollegen

Haben auch Sie eine „Abmahnung wegen Urheberrechtsverletzung- Filesharing“ per E-Mail von einer angeblichen Kanzlei Dr. Kroner und Kollegen aus München erhalten?

In diesem Schreiben wird behauptet, man habe über den Filesharing-Dienst Megaupload.com urheberrechtlich geschützte „Filmwerke, TV Serien und Musikdateien“ renommierter Rechteinhaber wie „EMI Music Germany, SONY BMG Music Entertainment oder Universal Music“ heruntergeladen. Anschließend wird eine angebliche Einwahlliste mitsamt der angeblichen IP- Adressen und Datum aufgeführt. Zur außergerichtlichen Klärung wird ein Vergleich mit einer einmaligen Pauschalzahlung i.H.v. 146,95 € angeboten.

Unser Rat: Legen Sie den angeblichen Schriftsatz zur Seite oder besser vernichten Sie ihn. Es handelt sich um eine Fake- Abmahnung, die keiner Beachtung bedarf.

Am letzten Wochenende scheinen Betrüger eben diesen Schriftsatz massenweise per E-Mail an viele Internetnutzer versandt zu haben, mit der Hoffnung, aufgrund der aktuellen Abmahnwelle auch ein paar Euro zu verdienen.

Jedoch sind den kriminellen Absendern einige wesentliche Fehler unterlaufen:

1. Zwar sieht der Anwaltsbriefkopf tatsächlich täuschend echt aus. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass als Kontakttelefonnummer keine Festnetznummer benannt wird, sondern allenfalls zwei deutsche Handynummern angegeben werden. Darüber hinaus wird als Postanschrift nicht der angebliche Kanzleisitz, sondern ein Postfach (P.O. Box) genannt.

2. Des Weiteren  wird in dieser Abmahnung nicht das/die jeweilige/n Musikstück oder der Film benannt, der angeblich heruntergeladen wurde. Lediglich pauschal wird behauptet, dass es um „im Internet begangene Urheberrechtsverletzung an den Filmwerken, TV Serien und Musik-Dateien“ der Mandantschaft geht.

3. Es fehlt an der – sonst so typischen – vorformulierten Unterlassungserklärung.

4. Die Bankverbindung für die Zahlung der Vergleichssumme führt nicht zu einem deutschen Konto, sondern weist auf ein slowakisches Kreditinstitut hin (IBAN: LUBASKBX).

5. Der unterzeichnende Rechtsanwalt Dr. Klaus Kroner ist in Deutschland in keinem Kammerbezirk gemeldet oder bekannt.

6.  Die Internetseite www.kroner-kollegen.de führt aktuell auf eine Freihalte-Seite.

7. Sehr ungewöhnlich erscheint, dass die Abmahnung nur per E-Mail versendet wurde und keine Adressanschrift des jeweiligen Störers benannt ist. In aller Regel werden Schreiben dieser Art per Post versandt.

Alles spricht daher für eine Fake- Abmahnung. Allein für diesen konkreten Fall kann daher die Abmahnung ignoriert werden!

Dies gilt es allerdings nicht zu verallgemeinern: Sollten Sie (anderweitig) eine Abmahnung erhalten, sollten Sie sich immer fragen, ob ein etwaiger Verstoß Ihrerseits vorliegen könnte. Überweisen Sie nicht vorschnell und unvorsichtig etwaig geforderte Vergleichssummen.

Sollten Sie sich nicht sicher sein, so beauftragen Sie einen Anwalt, der Ihnen mit der Überprüfung der Sach- und Rechtslage weiterhelfen kann!

Weitere Meldungen: Wettbewerbsrecht

Aktuelle Seminare & Referate: Wettbewerbsrecht