Fristlose Kündigung nach 38 Betriebsjahren wegen Holzdiebstahls ist rechtmäßig

Der Diebstahl eines Anhängers voll Holz ist kein Bagatelldelikt und ist auch nicht mit dem Verzehr eines übrig gebliebenen Brötchens zu vergleichen. So begründete das LAG Hamm vor Kurzem die Rechtmäßigkeit einer fristlosen Kündigung gegenüber einem Arbeitsnehmer nach 38 Jahren der Betriebszugehörigkeit.

Der Arbeitgeber hatte seinem Arbeitnehmer, welcher als Forstwirt beschäftigt war, fristlos gekündigt, weil dieser von der Arbeitsstelle einen Anhänger voll Holz im Wert von circa 250 – 300 € für seinen privaten Gebrauch mitgenommen hatte. Hiergegen klagte der Arbeitnehmer, jedoch ohne Erfolg.

Auch nach 38 Jahren Beschäftigung bei dem selben Arbeitgeber, sei ein Arbeitnehmer nicht dazu berechtigt, strafbare Handlungen zu Lasten seines Arbeitgebers zu begehen. Wenn er dies doch täte, rechtfertige dies ebenso wie grobe Vertrauensverstöße grundsätzlich eine außerordentliche Kündigung nach § 626 BGB. Es bedürfe in so einem Fall nicht einmal einer sonst üblichen vorherigen Abmahnung.

Das Gericht stellte im Urteil klar, dass bereits der Versuch einer strafbaren Handlung in der Regel eine besonders schwerwiegende Vertragsverletzung darstelle und zur fristlosen Kündigung berechtigen könne. In einem solchen Fall reiche eine Abmahnung als Ahndung der Tat meist nicht mehr aus.

Der vorliegende Fall sei auch keinesfalls mit den bekannten Bagatellfällen vergleichbar, in denen z.B. eine Mitarbeiterin einen verlorenen Pfandbon einlöste („Emmely“) oder ein paar Gramm Brotaufstrich entwendete. In solchen Fällen ginge es lediglich um geringwertige Beträge, im vorliegenden Fall jedoch sei bei 250 – 300 € nicht mehr von einem geringwertigen Schaden für den Arbeitgeber auszugehen.

Quelle: Urteil des LAG Hamm vom 25.03.2011

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